MM: Es ist nicht alles Porn, was die Uni zensiert

>>> Sperrliste wo? Sperrliste direkt hier: UZH-Sperrliste \<\<\<

Liebe Presse, liebe interessierte Öffentlichkeit und liebe Hochschulangehörigen, die ihr dies leider aus der Presse erfahren müsst, einen wunderschönen Montagmorgen!

Was hat ein chinesisches Blog, ein Schuhladen, ein russischer Röhrenhersteller und eine Linkliste für VPN-Software mit Pornografie zu tun?

Na? Genau: Nichts!

Es war 1996 als John Perry Barlow von Davos aus folgende Zeilen in den Cyberspace absetzte:

Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch, Vertreter einer vergangenen Zeit: Lasst uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr. Wir besitzen keine gewählte Regierung, und wir werden wohl auch nie eine bekommen – und so wende ich mich mit keiner grösseren Autorität an Euch als der, mit der die Freiheit selber spricht. Ich erkläre den globalen sozialen Raum, den wir errichten, als gänzlich unabhängig von der Tyrannei, die Ihr über uns auszuüben anstrebt. Ihr habt hier kein moralisches Recht zu regieren noch besitzt Ihr Methoden, es zu erzwingen, die wir zu befürchten hätten. (vgl. http://www.heise.de/tp/artikel/1/1028/1.html)

Heute, fast 20 Jahre später, sind diese Zeilen aktueller denn je: Aktivist*innen des CCCZH haben noch vor dem Wochenende darauf hingewiesen, dass die Universität Zürich UZH dabei ist, das Internet für alle Hochschulangehörigen zu zensieren. Wenn eine Hochschule es ist, welche mit Zensur beginnt, so sehen wir rot.

Selbst Zeitungen und Radiosender sind in die Falle getappt: Sie haben am Freitag noch geglaubt, der "Webfilter" der UZH zensiere tatsächlich "nur" Seiten pornografischen Inhalts. Auch der Studierendenverband der Universität Zürich VSUZH hat im Tages-Anzeiger vom Samstag tatsächlich Hoffnungen signalisiert, "gute" Zensur sei möglich und richtig. Wir finden: Es gibt keine "gute" oder "schlechte" Zensur. Es gibt bloss Zensur. Und diese ist in der Schweizerischen Bundesverfassung, Art. 17 Abs. 2, unmissverständlich verboten.

Das hat gute Gründe, denn jede Form von Zensur führt zu Missbrauch. Das weisen wir hiermit nach.

Nachdem die UZH im Interview mit der NZZ am Freitag (vgl. http://www.nzz.ch/aktuell/digital/universitaet-zuerich-filter-internet-chaos-computer-club-1.18263242) keine Details über ihren "Webfilter" preisgeben wollte, stellen wir fest: Es muss sich um FortiGuard handeln. (Siehe Bild rechts.) 240px|right Diese Müllsoftware erlaubt noch so Manches mehr zu zensieren, so in etwa: Politisch "extreme" Seiten, oder auch "Alternative Beliefs" (vgl. https://www.fortiguard.com/static/webfiltering.html). Dass die UZH ein Unternehmen, das solche Produkte herstellt, finanziell stützt, ist ein Skandal für sich.

Doch wo ist jetzt der Kollateralschaden an der UZH konkret? Wir haben über das Wochenende weitere Analysen vollzogen und präsentieren hiermit unsere Top-42-Nicht-Porno-Seiten, welche an der UZH zensiert werden:

https://www.ccczh.ch/UZH-Sperrliste

Das Prinzip der Netzneutralität ist auf jeden Fall mit Füssen getreten und die UZH hat es gewagt, sich auf autoritäre Weise in den Cyberspace einzumischen: Ein Fehler.

Die UZH tut angesichts des riesigen Kollateralschadens sehr gut daran, die Zensur zu beenden und zwar – wie am Freitag bereits gefordert – sofort.

Liebe Grüsse und eine schöne Woche

Das CCCZH-Presseteam (Kontakt: presse@ccczh.ch (gpgid: 0x058F45CF), tel. +41 79 191 23 70)

Fortinet den Bankrott – der UZH ein zensurfreies Netz! Reclaim the net – an der UZH und überall!