Digitaltag: Risiken und Nebenwirkungen der Digitalisierung

Der Konsumentenschutz, die Digitale Gesellschaft und der Chaos Computer Club Schweiz (CCC-CH) demonstrieren am heutigen Digitaltag vereint an ihrem Stand an der Bahnhofstrasse in Zürich, wie, wo und in welchem Umfang den Besucherinnen und Besuchern im Internet heimlich oder offensichtlich persönliche Daten entlockt und verwertet werden. Zudem informieren Experten darüber, wie man seine Privatsphäre ganz konkret schützen kann. Die drei Organisationen rufen die Konsumentinnen und Konsumenten dazu auf, heute die Gelegenheit beim Schopf zu packen und ihre kritischen Fragen, Bedenken und Beschwerden bezüglich Daten- und Privatsphärenschutz direkt bei den Unternehmen vor Ort zu deponieren. Denn: Die Digitalisierung eröffnet Wirtschaft und Gesellschaft unbestritten viele Chancen, sie hat aber auch gewaltige Risiken und Nebenwirkungen.

Der Chaos Computer Club Schweiz, die Digitale Gesellschaft und der Konsumentenschutz sind Organisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, für den Schutz der grundrechtlichen Privatsphäre von Konsumentinnen und Bürgern zu kämpfen. Sie klären heute anlässlich des Digitaltages von 9-12 Uhr an einem Stand an der Bahnhofstrasse (Pestalozzianlage, vor dem Globus) über Risiken und Nebenwirkungen der Digitalisierung auf. Anhand von Beispielen wird am Stand über Gefahren informiert, und wie die Menschen ihre Privatsphäre auch im digitalen Umfeld schützen können. Die Organisationen verteilen hierzu den Ratgeber «Eine kurze Anleitung zur digitalen Selbstverteidigung» der Wochenzeitung (WOZ).

Deponieren Sie Ihre Fragen und Forderungen zur Privatsphäre – heute!

Heute sind viele grosse und bekannte Schweizer Unternehmen im Hauptbahnhof Zürich und an den anderen Hotspots des Digitaltages anwesend und persönlich ansprechbar. Für die Menschen – sei es in Ihrer Rolle als Bürgerin, als Konsument oder als Arbeitnehmerin – stellt dies die Chance dar, Kritik, Anliegen und Fragen direkt bei den Unternehmen zu deponieren. Der Konsumentenschutz ruft dazu auf, die Anbieter heute in die Pflicht zu nehmen, und sie vor Ort an ihren Digitaltag-Ständen nach den Risiken und Nebenwirkungen ihrer digitalen Strategien und Produkte zu fragen.

Privatsphärenschutz auch in der Verantwortung der Unternehmen

Die Digitalisierung bietet zweifelsfrei grosse Chancen. Sie ist aber gleichzeitig eine ungeheure Gefahr für die Privatsphäre, die Freiheit und die Selbstbestimmung der Menschen. Ausufernde offene oder heimliche Datenerhebungen, Datenzusammenführungen und immer raffiniertere Datenauswertungen auf der einen Seite und mangelhafte IT-Sicherheit, fehlendes Know-How und Dilettantismus auf der anderen gefährden das Grundrecht auf Privatsphäre. Hinzu kommen internationaler Datenhandel in grossem Stil und die Cyberkriminalität. CCC-CH, Digitale Gesellschaft und Konsumentenschutz kritisieren die Organisatoren des Digitaltages dafür, dass sie diese Fragen weder intern noch in ihrer Öffentlichkeitsarbeit genügend gewichten. Viele kleine und mittlere Unternehmen sind überfordert, sowohl bei der Einhaltung der datenschutzrechtlichen Vorgaben, als auch bezüglich ihrer Daten-Sicherheitsvorkehrungen. Diese Thematik fristet im Programm des Digitaltages ein Mauerblümchen-Dasein. Es braucht jedoch eine ernsthafte und breite gesellschaftliche Auseinandersetzung. Die Unternehmen sind in der Verantwortung, diese anzustossen – gerade an einem Digitaltag.

Vertrauen ist Basis für eine konfliktarme Digitalisierung

Das Vertrauen der Kunden in die Digitalisierung, speziell in die künstliche Intelligenz, die momentan ihr Rollout erlebt, ist ein entscheidender Faktor für ihren Erfolg. Der Konsumentenschutz hat bereits letztes Jahr einen Appell an die grossen Anbieter in der Schweiz gerichtet, worin die Führungsriege der Schweizer Wirtschaft aufgefordert wird, sich den Herausforderungen zu stellen und die interne und öffentliche Diskussion zu führen.

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«Die Digitalisierung bietet Chancen, aber auch massive Risiken und Nebenwirkungen. Wir erwarten von den Unternehmen, dass sie ihre digitalen Produkte von Beginn weg konsequent so konzipieren, dass die Privatsphäre ihrer Kunden gewährleistet ist. Wir Konsumentinnen und Konsumenten müssen dringend lernen, uns im Alltag «datensparsam» zu verhalten: Immer nur so viele Informationen preisgeben, wie der Anbieter für die Abwicklung des Geschäfts unbedingt braucht.» Sara Stalder, Geschäftsleiterin Konsumentenschutz

«Schweizer KMUs und Startups sind am Digitaltag nicht vertreten. Auf der Bühne stehen Banken, Grossverteiler, Krankenkassen, Grossbanken und Staatsbetriebe. Sie vermessen uns alle bereits heute über Kundenkarten, Fitness-Apps und Finanzdaten. Digitalisierung bedeutet aber nicht (nur) die Verwertung unserer Personendaten. Sie krempelt die Interaktion zwischen Unternehmen und Kunden (oder Staat und Bürgerin), Geschäftsprozesse und Arbeitsweisen um. Für diese Veränderungen braucht es Vertrauen durch einen offenen Dialog, aber keine Marketingveranstaltungen.» Erik Schönenberger, Geschäftsleiter Digitale Gesellschaft

«Wir als CCC Schweiz stehen dem DigitalTag in der Form kritisch gegenüber: Interessieren tut, was modern klingt, wo Geldtöpfe locken. Grundrechte stören, so sie staatlichen Kontrollund wirtschaftlichen Profit-Interessen im Weg stehen. Menschenrechte werden auch aktiv weggefegt. Seit den 1980er-Jahren fordert der CCC die maschinenlesbare Regierung stattdessen haben wir heute gläserne Bürgerinnen und Bürger. Wir riskieren, die letzten Reste von Demokratie in einem Meer aus Big-Data, E-Voting, Totalüberwachung und Zensur zu versenken. Wir finden, es ist Zeit für einen DigitalTag - aber anders, und wir beginnen heute damit!» Hernâni Marques, Vorstand und Pressesprecher Chaos Computer Club Schweiz

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