Aus CCCZH

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Im SF1 Club wurde am 14.Februar 2012 mal wieder über das Thema „Whistleblowing in der Schweiz“ diskutiert. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass sich die Diskussion seit der ersten Club-Sendung zu diesem Thema vor gut einem Jahr kaum weiterentwickelt hat.

Besonders die „Argumentationslinie“ von Vogt, dem Präsidenten des schweizerischen Arbeitgeberverbandes, hat es mir in dieser Sendung angetan: wie schon Thür (Eidgenössischer Datenschutzbeauftragter) und Büttiker (Politiker) in der Sendung vor einem Jahr will er es verhindert sehen, dass sich Whistleblower an die Medien wenden und Probleme so an die Öffentlichkeit bringen. Er glaubt tatsächlich, es hätte etwas mit „Transparenz“ zu tun, wenn Whistleblowing nur firmenintern zulässig ist – und im alleräussersten Extremfall auch noch durch Meldung an die Behörden, die aber bitte schön auch nichts an die Öffentlichkeit dringen lassen dürfen. Sorry, aber mit Transparenz hat das doch wenig zu tun – es bleibt zumindest bei mir der Eindruck bestehen, dass interne Meldestellen bei einem solchen Mindset vor allem die Aufgabe haben, Probleme zu vertuschen – nicht sie zu lösen oder gar in der Öffentlichkeit dazu zu stehen.

Auch wenn eine solche Einstellung bei mir auf wenig Gegenliebe trifft, so ist es doch irgendwo verständlich, woher sie kommt und vor allem warum sie tatsächlich in den meisten Unternehmen der Schweiz auch so gelebt wird: Firmen und Firmenpolitik werden von Menschen gemacht und die leben auch ihr berufliches Umfeld so, wie ihre Sozialisation es ihnen mitgegeben hat. Und die Generation 40+, die heute die Führungs- und Entscheidungsriege in Unternehmen stellt, ist eben in ihrer Sozialisation offensichtlich selten zu Werten wie Offenheit, Ehrlichkeit und Transparenz angeleitet worden. Vor etwa 10 Jahren galt es in der Schweiz tatsächlich noch als „out-en“, wenn Männer ihren Ehefrauen gesagt haben, wieviel Geld sie verdienen – soviel zur Offenheit...

Damit wird sich wohl leider auch in den Firmen (und der Gesellschaft allgemein) erst etwas ändern, wenn die gesellschaftliche Realität die Werte Offenheit, Ehrlichkeit und Transparenz in die Köpfe der Kinder und Jugendlichen bringt und fördert, die dann später dies auch im Beruf tatsächlich ausleben können.

Bis dahin dürfen wir denjenigen, die wie Vogt immer alles unter der Decke und in der Familie – äh, Firma – halten wollen, um den Schein der Problemlosigkeit zu wahren, zum Thema Whistleblowing entgegnen: „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten!“

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