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Wired-4.12.png
In der wired 4.12 vom Dezember 1996 hatte ich einen langen, aber unglaublich faszinierenden Artikel von Neal Stephenson gelesen; ich war so begeistert, dass diese wired-Ausgabe die einzige ist, die ich bis heute aufgehoben habe. Unter dem Titel „The Hacker Tourist Travels the World to Bring Back the Epic Story of Wiring the Planet“ beschreibt er darin die Geschichte und Technik der Unterseeverkabelung, deren Leitungen heute die wichtigsten Backbones des Internets bilden.

Vor kurzem bin ich dann auch über die Webseite „Greg's Cable Map“ gestolpert, in der diese (und natürlich neuere) Unterseekabel auf einer Weltkarte eingezeichnet und klickbar sind: Alle Infos zu diesen Kabeln (Bandbreite, seit wann in Betrieb und Links zum Beschrieb u.v.m.) sind direkt abrufbar – vor allem auch die Anlandepunkte der Kabel an den Küsten! Ich kann jedem nur empfehlen, mal auf dieser Seite herum zu stöbern – aber Vorsicht: Suchtgefahr!

Und beim herum stöbern bin ich auf ein paar sehr interessante „dicke Leitungen“ gestossen, auf die ich mir keinen rechten Reim machen kann, zum Beispiel das Svalbard Undersea Cable System. Das verbindet in zwei Strängen das norwegische Festland mit Spitzbergen und hat eine maximale Kapazität von 5 Tb/s, von der angeblich aber nur 1/8 (also rund 625 Gb/s) in Betrieb sein soll. Da auf Spitzbergen nur rund 2'500 Einwohner wohnen, wären das rechnerisch pro Einwohner bis zu 2 Gb/s Bandbreite: Spitzbergen ist zwar ziemlich kalt, aber das sollte für echte Netzjunkies kein Hindernis sein, dort wohnen zu wollen. Aber das Kabel dürfte kaum dafür da sein, Nerds anzubinden...

Laut Wikipedia dient das Kabel zwei Zwecken: Erstens und primär der Raumfahrt und zweitens auch ein wenig dem amerikanischen Militär. Das mit der Raumfahrt macht Sinn, weil Spitzbergen ziemlich weit nördlich liegt und deshalb Satelliten im polaren Orbit fast alle 90 Minuten im Sichtfeld von Bodenstationen sind und dann ihre Daten übertragen könnten. Eine kleine Abschätzung sollte helfen, den Bandbreitenbedarf einer solchen Nutzung zu bestimmen:

[1] Anzahl der Satelliten im polaren Orbit: ~550
[2] Gesamte Dauer der Sichtbarkeit pro Tag und Satellit: ~2300 s
[3] Bandbreite der Satelliten-Kommunikation: ~500 Mb/s

Das täglich anfallende Datenvolumen beläuft sich so schätzungsweise auf etwa 75 TB, was einer benötigten Bandbreite von etwas mehr als 7 Gb/s entspricht – und das unter der Annahme, das praktisch alle Satelliten mit polarem Orbit abgehört werden, optimal sichtbar sind und auch entsprechend genügend Daten zu senden haben!

Da bleiben also zwischen 618 Gb/s und 4.99 Tb/s für eine andere Nutzung übrig; selbst wenn unsere Abschätzung um den Faktor 10 falsch wäre, bliebe noch immer eine enorme Bandbreiten-Reserve. Was zum Teufel machen die da wirklich, das eine so hohe Bandbreite erfordert?


[1] Bestimmt aus den öffentlichen Bahnelementen von rund 1'500 Satelliten im TLE-Format; Kriterium: Inklination 90° ± 10°.
[2] Bei einer Umlaufhöhe von 600km und ignorieren der Atmosphäre; tatsächlich wohl geringer.
[3] Kommunikationssatelliten haben eine höhere Bandbreite (~80Gbit/s), aber „datensammelnde“ Satelliten benötigen keine so hohe Bandbreite, da sie gar nicht genügend Daten sammeln können, die eine solche Bandbreite erforderlich machen würde.

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