Aus CCCZH

Gong-fa1977.png
Im Hintergrund dreht sich bei mir gerade ein Vinyl-Datenträger – eine Langspielplatte der Band Gong mit dem Titel "Planet Gong - Live floating anarchy 1977". Auf dem Plattencover steht am unteren Rand:
Listen! Don't pay more than / 17F £2.25 $3.50 / but better to rip it off if you can!

Schon ein wenig ungewöhnlich, dass eine Band dazu auffordert, ihre Platte am besten zu stehlen – aber bei dem anarchistischen Titel vielleicht durchaus angemessen. Heute erscheint eine solche Aufforderung natürlich anachronistisch, denn wer stiehlt schon noch Musikdatenträger – geschweige denn, kauft noch welche? In Zeiten des Internets müsste wohl eher auf dem Cover stehen: "... but better to download it from a torrent if you can!"

Für die Schweiz mit ihrer liberalen Interpretation von Privatkopie mag ein solcher Ratschlag noch angemessen sein; aber in vielen anderen Ländern ist die Ermutigung zum freien Download aus dem Netz vielleicht doch keine so gute Idee – zumindest nicht bei der momentanen Rechtsauslegung, die die Handlungen im Real- und Digitalraum völlig unterschiedlich be- und verurteilt:

  • Wenn jemand im Laden eine CD klaut, so ist das juristisch gesehen ein Diebstahl von geringwertigen Sachen; solche Fälle werden nur auf Anzeige hin von der Staatsanwaltschaft überhaupt verfolgt (Bagatelldelikt, [1]). Bei Jugendlichen werden solche Delikte (in Deutschland) meist noch nicht einmal vor Gericht gebracht, sondern nach §45 JGG eingestellt und nur mit einigen Sozialstunden und/oder einer sehr geringen Geldstrafe geahndet. Auch bei Älteren werden Verfahren üblicherweise eingestellt, wenn sie ansonsten nicht auffällig geworden sind.
  • Wer die zwölf Lieder der CD per Torrent frei downloaded, muss da mit ganz anderen Sanktionen rechnen: In den USA schickt ihm die RIAA mal schnell eine Rechnung über $100'000+; in Frankreich (und vielleicht auch bald in Deutschland) wird ihm das Internet abstellt.

Diese Ungleichbehandlung ist vermutlich auch der Tatsache geschuldet, dass die verantwortlichen Politiker und Juristen oft willfährige Büttel der Content-Mafia sind – oder schlicht und ergreifend vom digitalen Kulturaustausch nichts verstehen. Auf Dauer ist so etwas natürlich untragbar, aber bis dahin gilt wohl weiterhin: "[you] better rip it off if you can!"

[1] An dieser Stelle noch eine Randbemerkung: Der Diebstahl geringwertiger Sachen wird aber in der realen Welt vermehrt von Arbeitgebern missbraucht, um alte oder unliebsame Arbeitnehmer auf die Strasse zu setzen; Handys am Stromnetz der Firma aufzuladen oder drei Maultaschen aus den Küchenresten mitzunehmen, hat schon zu gerichtlich bestätigten Kündigungen geführt.

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